Wie TMZ die US-Politik mit Paparazzi-Journalismus aufmischt und Washington verunsichert
Alex FlantzWie TMZ die US-Politik mit Paparazzi-Journalismus aufmischt und Washington verunsichert
Ein ehemaliger Reality-TV-Star regiert nun seit sechs Jahren als US-Präsident. Seine Regierung hat die Grenzen zwischen Politik und Unterhaltung weiter verwischt. Aktuelle Schritte des Promi-Nachrichtenportals TMZ rücken diesen Trend erneut in den Fokus.
Das für seine aggressive Paparazzi-Berichterstattung bekannte Medium hat seine Aktivitäten in Washington ausgeweitet. Gleichzeitig bleiben die Zustimmungswerte für sowohl den Präsidenten als auch den Kongress auf niedrigem Niveau, während die öffentliche Unzufriedenheit wächst.
TMZ, 2005 von Harvey Levin gegründet, berichtete jahrelang über Hollywood-Skandale und Klatsch aus der Promi-Welt. Nun verfolgt das Washington-Büro einen ähnlichen Ansatz in der Politik: Mitarbeiter jagen Abgeordneten hinterher, um ungestellte Fotos zu schießen, und animieren die Öffentlichkeit, eigene Schnappschüsse von Politikern in unbewachten Momenten einzusenden.
Der Vorstoß des Portals in die politische Berichterstattung hat bereits virale Momente geschaffen. Ein aktuelles Bild zeigte Senator Lindsey Graham mit einem Zauberstab in Disney World. Das Foto verbreitete sich rasant im Netz und löste sowohl Heiterkeit als auch Kritik aus. Selbst offizielle Stellen haben TMZs Präsenz in Washington zur Kenntnis genommen: Verteidigungsminister Pete Hegseth erwähnte das Portal kürzlich bei einer Pressekonferenz im Pentagon und bezeichnete die Journalisten als "neue Mitglieder unserer Pressegruppe hier".
Die Vermischung von Unterhaltung und Politik ist für diese Regierung nichts Neues. Der Präsident selbst wurde durch Reality-TV berühmt, und sein Kabinett umfasst Persönlichkeiten wie einen ehemaligen Wrestling-Funktionär und ein ehemaliges "Real World"-Castmitglied. Selbst auf dem Capitol Hill gibt es einen Zustrom von Reality-Stars: Allein in den letzten Monaten besuchten über ein halbes Dutzend Teilnehmerinnen der "Real Housewives"-Reihe Abgeordnete.
Die Stimmung in der Bevölkerung bleibt jedoch gedrückt. Laut einer AP-NORC-Umfrage billigen nur 33 Prozent der US-Erwachsenen die Amtsführung des Präsidenten. Auch die Ablehnung des Kongresses ist gestiegen: Gallup verzeichnet eine Rekord-Missbilligungsquote von 86 Prozent.
TMZs forscher Stil der politischen Berichterstattung markiert eine weitere Verschiebung in der Funktionsweise Washingtons. Die Methoden des Portals, kombiniert mit den Unterhaltungswurzeln der Regierung, vertiefen die Verschmelzung von Politik und Popkultur. Angesichts historisch niedriger Zustimmungswerte für Präsident und Kongress zeigt sich die öffentliche Verärgerung ungebrochen. Der Trend deutet darauf hin, dass die Politik auch in absehbarer Zukunft zunehmend der Unterhaltung ähneln könnte.






