"Sancta" an der Stuttgarter Oper polarisiert: Kunst, Schock und medizinische Notfälle
Nadeschda Pärtzelt"Sancta" an der Stuttgarter Oper polarisiert: Kunst, Schock und medizinische Notfälle
Premierenaufführung von Sancta an der Staatsoper Stuttgart löst Kontroversen und medizinische Zwischenfälle aus – trotz deutlicher Triggerwarnung
Die Uraufführung von Sancta an der Staatsoper Stuttgart hat für Aufsehen gesorgt und bei einigen Zuschauern sogar zu medizinischen Vorfällen geführt – obwohl im Vorfeld klar auf die belastenden Inhalte hingewiesen worden war. Die von der Performancekünstlerin Florentina Holzinger inszenierte Produktion sprengt mit provokanten Bildern und körperlichen Extremen alle Grenzen. Trotz der intensiven, für manche Zuschauer schwer erträglichen Szenen bleibt die Nachfrage nach Karten für die kommenden Vorstellungen hoch.
Inspiriert von Paul Hindemiths Sancta Susanna deutet Holzinger das Werk neu und stellt dabei die Rolle der Frau in der christlichen Geschichte in den Mittelpunkt. Ihr Markenzeichen – eine Mischung aus Schockmomenten, schwarzem Humor und schonungsloser Körperlichkeit – prägt die Inszenierung. Die Darsteller*innen setzen sich Schmerzen aus, arbeiten mit Nacktheit und verweisen auf die Wunden Christi, alles eingeordnet als Akte künstlerischer Hingabe.
Dirigentin Marit Strindlund, die bereits mit Holzinger an Ophelia's Got Talent zusammengearbeitet hat, gibt zu, dass das Stück auch sie vor Herausforderungen stellte. Ungewöhnliche Bilder, experimentelle Methoden und eine radikale Ausdrucksweise machten die Proben zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Dennoch lobt sie Holzingers Kunst als inklusiv, aufklärerisch – und überraschend unterhaltsam. Selbst den Humor der Regisseurin macht sie für ihre eigene Energie während der Aufführungen verantwortlich.
Intendant Viktor Schoner verteidigt Sancta als notwendigen Impuls für das Opernhaus. Die Produktion zwinge die Institution, sich aus ihrer traditionellen Komfortzone herauszubewegen, ohne dabei künstlerische Qualität zu opfern. Die Premiere Anfang 2026 war ein solcher Erfolg, dass alle November-Vorstellungen bereits ausverkauft sind. Für die Oktober-Termine (3., 4. und 5.) sind jedoch noch Karten erhältlich.
Mit seiner provokanten wie handwerklich überzeugenden Machart spaltet Sancta das Publikum – hat sich aber längst einen Platz im Stuttgarter Kulturkalender gesichert. Wer Holzingers radikale Neudeutung noch erleben möchte, hat mit den verbleibenden Oktober-Vorstellungen eine letzte Gelegenheit. Die medizinischen Zwischenfälle bei der Premiere unterstreichen dabei die kompromisslose Wirkung des Stücks.






