Nach 30 Jahren gibt der Mummelsee-König seine Krone an Enkel Ben weiter
Adem SeidelNach 30 Jahren gibt der Mummelsee-König seine Krone an Enkel Ben weiter
Seit 30 Jahren verkörpert Hermann Müller die Legende vom Mummelsee-König. In einem Mantel aus Schilfgras und auf Stelzen schreitend streift er am Ufer des Schwarzwaldsees umher – erschreckt Erwachsene und verwöhnt Kinder mit Süßigkeiten. Jetzt, mit 70 Jahren, bereitet er sich darauf vor, seine Krone weiterzugeben – und ein örtliches Hotel unterstützt die Suche nach seinem Nachfolger.
Der Mummelsee-König ist weit mehr als nur eine verkleidete Figur. Bekleidet mit Seegras, einer Dreizack in der Hand und einer Krone auf dem Haupt, ragt Müller auf Stelzen, die wie riesige Schuhe getarnt sind, über die Besucher hinaus. Vor jedem Auftritt schminkt er sich das Gesicht, bereit, Erwachsene zu erschrecken, während er für die Kleinen stets Taschen voller Leckereien parat hat. Seine Auftritte halten die Mythen des Sees lebendig – von tanzenden Mummleins auf mondbeschienenen Wiesen bis hin zu Erzählungen von Nymphen und einem Kristallpalast, der unter der Wasseroberfläche verborgen liegt.
Vor zwei Jahren kündigte Müller an, sich aus der Rolle zurückzuziehen. Seither sucht das Hotel Mummelsee – im Besitz der Königskostümierung und ein Bewahrer der Tradition – nach einem Nachfolger. Nun zieht Müllers 25-jähriger Enkel Ben in Erwägung, die Nachfolge anzutreten. Sowohl Müller als auch der Hoteldirektor planen, zu Beginn des kommenden Jahres über Ben mögliche Berufung zu sprechen.
Die Sagen um den Mummelsee sind tief verwurzelt. Einheimische warnen davor, Steine in den See zu werfen – das könnte einen heftigen Sturm heraufbeschwören. Doch die Anwesenheit des Königs wirkt gegenteilig: Er lockt Scharen von Besuchern an die Ufer. Kinder laufen ihm entgegen, während Erwachsene sich scheinbar ängstigen – alles Teil einer Tradition, die Volksglauben mit Spaß verbindet.
Falls Ben die Rolle übernimmt, erbt er nicht nur ein Kostüm, sondern ein Vermächtnis. Die Auftritte des Mummelsee-Königs stärken den Tourismus und bewahren uralte Geschichten für die nächste Generation. Fürs Erste harren die Mythen des Sees – und sein künftiger Hüter – noch jenseits des Ufersaums ihrer Zeit.






