Weniger Pendler in Sachsen-Anhalt: Warum immer weniger Menschen die Landesgrenzen für die Arbeit verlassen
Brit PutzAnzahl der Pendler in Sachsen-Anhalt leicht gesunken - Weniger Pendler in Sachsen-Anhalt: Warum immer weniger Menschen die Landesgrenzen für die Arbeit verlassen
Die Zahl der Pendler, die für ihre Arbeit die Landesgrenzen von Sachsen-Anhalt überschreiten, ist leicht zurückgegangen. Aktuelle Zahlen aus der Mitte des Jahres 2025 zeigen, dass sowohl die Zahl der Ein- als auch der Auspendler in die und aus der Region abgenommen hat. Zwar verlässt noch immer etwa jeder fünfte Erwerbstätige das Bundesland für seine Arbeit, doch der Trend zeigt eine Veränderung.
Im Juni 2025 arbeiteten rund 148.000 Beschäftigte aus Sachsen-Anhalt in anderen Bundesländern – ein Rückgang um etwa 600 im Vergleich zum Vorjahr. Die häufigsten Ziele waren Sachsen, Niedersachsen und Thüringen. Viele dieser Pendler übten qualifizierte Tätigkeiten in der Industrie, im Handel, im Transportgewerbe oder im Bau aus.
Gleichzeitig kamen weniger Menschen aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt zur Arbeit. Etwa 75.700 Beschäftigte pendelten aus anderen Ländern ein, wobei die größten Gruppen aus Sachsen, Niedersachsen, Thüringen und Brandenburg stammten. Rund 5.400 Arbeitnehmer kamen zudem aus dem Ausland.
Mehrere Faktoren erklären diesen Rückgang. Eine schrumpfende Bevölkerung, bedingt durch niedrige Geburtenraten und den Wegzug junger Menschen zwischen 2020 und 2025, verringerte den Pool potenzieller Pendler. Nach Angaben des Statistischen Landesamts aus dem Jahr 2024 sind mittlerweile über 28 Prozent der Einwohner älter als 65 Jahre.
Auch die Pandemie spielte eine Rolle. Seit 2020 arbeiten bis zu 40 Prozent der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt im Homeoffice, wodurch sich das tägliche grenzüberschreitende Pendeln im Vergleich zu 2019 um 25 bis 30 Prozent verringert hat. Wirtschaftliche Stagnation und niedrigere Löhne – im Schnitt etwa 3.200 Euro brutto im Monat gegenüber 4.000 Euro im Bundesdurchschnitt – machten weite Arbeitswege weniger attraktiv. Die gestiegenen Energiekosten nach 2022 schreckten zusätzlich vor Fahrten in besser bezahlte Regionen in West- oder Süddeutschland ab.
Der Rückgang des grenzüberschreitenden Pendelns spiegelt tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt Sachsen-Anhalts wider. Weniger junge Arbeitskräfte, mehr Homeoffice und wirtschaftliche Zwänge haben den täglichen Arbeitsweg reduziert. Da die Löhne hinter dem Bundesdurchschnitt zurückbleiben, könnte sich dieser Trend fortsetzen – es sei denn, die lokalen Arbeitsmöglichkeiten verbessern sich.