Vom Fahrradkarton zur Brandanschlagsziel: Die Junge Freiheit und ihr polarisierender Aufstieg
Adem SeidelVom Fahrradkarton zur Brandanschlagsziel: Die Junge Freiheit und ihr polarisierender Aufstieg
Dieter Stein gründete die Junge Freiheit (JF) 1986 als Teenager mit einer Startauflage von nur 400 Exemplaren. Die Zeitung, heute ein bekanntes konservatives Blatt, sah sich über Jahrzehnte hinweg Kontroversen, Protesten und sogar Brandanschlägen ausgesetzt. Ihr Weg vom Provinzprojekt zum nationalen Diskussionsthema spiegelt sowohl ihre polarisierenden Inhalte als auch die heftigen Reaktionen wider, die sie ausgelöst hat.
Mit 18 Jahren brachte Stein die JF in Freiburg ohne finanzielle Unterstützung auf den Weg. Die ersten Ausgaben transportierte er in einem Pappkarton auf dem Fahrrad nach Hause. In den Anfangsjahren verdiente niemand Geld mit dem Blatt – die Mitwirkenden übernahmen sogar selbst die Druckkosten.
Bis 1993 hatte sich der Widerstand massiv zugespitzt. Rund 2.000 Demonstranten zogen gegen die Zeitung auf die Straße, bald folgten gewalttätige Angriffe. Brandstifter zündeten die Druckerei an und verursachten einen Schaden von 1,5 Millionen D-Mark. Zwei Jahre später wurde Steins Auto vor dem Redaktionsgebäude in Brand gesteckt, während er im Inneren schlief.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nahm die JF später unter Beobachtung, da es extremistische Verbindungen vermutete. Dieser Schritt verunsicherte Leser, von denen einige fürchteten, allein wegen eines Abonnements abgehört zu werden. Ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2005 bestätigte, dass solche Geheimdienstberichte grundlegende Rechte verletzen können.
Stein, der sich selbst als konservativ bezeichnet, die Bezeichnung „Neue Rechte“ jedoch zurückweist, sah sich zudem hartnäckigen Gerüchten ausgesetzt. Behauptungen, die rechtspopulistische AfD finanziere die JF, wurden stets entschieden dementiert. Trotz aller Kritik bleibt er seinen Prinzipien treu – auch in privaten Angelegenheiten, etwa wenn es um die Entscheidung seines Sohnes zum Wehrdienst geht, die er allein diesem überlässt.
Noch bevor die deutsche Regierung nach Berlin umzog, hatte Stein die JF dorthin verlegt – ein Zeichen für den Anspruch der Zeitung über ihre provinzielle Herkunft hinaus.
Von bescheidenen Anfängen bis zu bundesweiten Debatten blieb die Junge Freiheit ein Kristallisationspunkt politischer und gesellschaftlicher Spannungen. Ihre Geschichte – geprägt von finanziellen Nöten, juristischen Auseinandersetzungen und gewaltsamer Gegnerschaft – zeigt, wie tiefgreifend ihre polarisierende Wirkung ist. Doch ihr Fortbestand unter Steins Führung unterstreicht ihre anhaltende, wenn auch umstrittene Rolle in der deutschen Medienlandschaft.






