Spritpreise explodieren: Warum Haushalte und Ölkonzerne in zwei Welten leben
Adem SeidelSpritpreise explodieren: Warum Haushalte und Ölkonzerne in zwei Welten leben
Steigende Spritpreise belasten Menschen weltweit – von Pendlerinnen und Pendlern im Alltag bis hin zu Familien, die Lebensmittel kaufen. Gleichzeitig treibt die Energiekrise die Gewinne großer Ölkonzerne auf Rekordhöhen, während Expertinnen und Experten vor verschärftem Hunger und wirtschaftlicher Not warnen, sollte sich die Lage nicht bessern.
Die Kosten für Öl und Gas sind global explodiert, sodass viele Menschen sich Transport und Grundgüter kaum noch leisten können. In Nigeria haben höhere Spritpreise die Preise für Düngemittel, Lkw-Transporte und Grundnahrungsmittel in die Höhe getrieben. Studierende, Berufstätige und Angehörige, die kranke Verwandte besuchen, müssen nun deutlich mehr für Fahrten ausgeben.
Gleichzeitig verzeichnen Energieunternehmen riesige Gewinne. BP etwa steigerte seinen Nettogewinn im frühen Jahr 2023 auf über 2,7 Milliarden Euro – mehr als das Doppelte des Vorjahres. Kritiker monieren, dass die Lasten an die Verbraucher weitergegeben werden, während die Profite bei den Konzernen bleiben.
Die Krise löst in einigen Ländern politische Kurswechsel aus. Deutschland führte nach Russlands Angriff auf die Ukraine eine Übergewinnsteuer für Energieunternehmen ein, die rund 2,5 Milliarden Euro einbrachte. Südkoreas Präsident treibt den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen voran, indem er das Stromnetz ausbaut und ein "Solar-Einkommens"-Programm auflegt. Auch Chinas Export von Solarmodulen verdoppelte sich im März 2023 – ein Zeichen für den beschleunigten Umstieg auf erneuerbare Energien.
Die Sorge in der Bevölkerung wächst. Eine Umfrage in Deutschland ergab, dass sich fast 80 Prozent der Menschen durch die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen bedroht fühlen. Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), warnt, diese Krise könnte schwerwiegendere Folgen haben als frühere Ölkrisen. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass bis zu 45 Millionen weitere Menschen von Hunger bedroht sein könnten, falls sich die Situation über die Jahresmitte hinaus verschärft.
Die Energiekrise setzt Haushalte und Volkswirtschaften weiter unter Druck, da die Spritkosten die Lebenshaltungskosten in die Höhe treiben. Regierungen reagieren mit Steuern und Plänen für erneuerbare Energien, doch Expertinnen und Experten betonen, dass schnelleres Handeln nötig ist, um schwerere Nahrungsmittelknappheit und wirtschaftliche Härten zu verhindern. Die Kluft zwischen Konzerngewinnen und den Nöten der Bevölkerung bleibt ein zentrales Problem.






