Organspende-Reform: Soll jeder automatisch Spender sein – außer bei Widerspruch?
Nadeschda PärtzeltOrganspende-Reform: Soll jeder automatisch Spender sein – außer bei Widerspruch?
Eine überparteiliche Gruppe deutscher Abgeordnete drängt auf eine grundlegende Reform des Organspenderechts. Der vorgeschlagene Gesetzesentwurf sieht vor, dass jeder volljährige, einwilligungsfähige Erwachsene automatisch als potenzieller Organspender gilt, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht. Sollte das Vorhaben verabschiedet werden, würde das neue System 2030 in Kraft treten – und löst bereits jetzt eine ethische Debatte im Bundestag aus.
Die Reform kommt zu einer Zeit, in der die Organspenden in Deutschland wieder ansteigen. Bundesweit stieg die Zahl der Spenden in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 um 12 Prozent: 1.405 Organe wurden gespendet, verglichen mit 1.253 im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Allein in Berlin verzeichnete man einen deutlichen Anstieg – bis Mai 2026 gab es 73 Spenden, fast doppelt so viele wie die 39 im Vorjahr.
In der Hauptstadt warten derzeit über 400 Menschen auf ein Spenderorgan, während bis Ende Mai fast 140 Transplantationen durchgeführt wurden. Landesweit bleibt die Lage angespannt: 2025 fanden nur 3.150 Organtransplantationen statt, während rund 8.200 Patientinnen und Patienten weiterhin auf der Warteliste stehen.
Kritiker im Bundestag äußern Bedenken gegen das geplante Widerspruchslösung-Modell. Einige Politiker argumentieren, dass ein solches System die individuelle Entscheidungsfreiheit und ethische Grundsätze untergraben könnte.
Die Diskussion über die Reform wird voraussichtlich an Schärfe gewinnen, je näher der Stichtag 2030 rückt. Sollte das Gesetz umgesetzt werden, könnte es die Zahl der verfügbaren Organe für Bedürftige deutlich erhöhen. Die aktuellen Zahlen deuten zwar auf eine allmähliche Verbesserung der Spendenbereitschaft hin, doch die Nachfrage übersteigt das Angebot nach wie vor bei Weitem.






