Massendemonstrationen in Bonn und Köln fordern Ende der sexualisierten Gewalt
Nadeschda PärtzeltMassendemonstrationen in Bonn und Köln fordern Ende der sexualisierten Gewalt
Hunderte Demonstrantinnen und Demonstranten versammelten sich am Sonntag in Bonn, um gegen sexualisierte Gewalt zu protestieren und politische Maßnahmen zu fordern. Die Kundgebung folgte einer größeren Demonstration in Köln am Vortag und unterstreicht die wachsende Besorgnis im gesamten Rheinland. Die Veranstalter verurteilten digitale Gewaltformen, darunter Deepfake-Pornografie, und forderten verschärfte Gesetze.
Über 500 Menschen füllten den Bonner Marktplatz vor dem alten Rathaus. Die Proteste wurden von einem Bündnis aus Stadtratsparteien organisiert, viele Teilnehmer hielten Schilder hoch – eines mit der Aufschrift "Girls just wanna be safe", eine Anspielung auf den Hit von Cindy Lauper. Die Aktion folgte auf eine Demonstration mit mehr als 5.000 Teilnehmern in Köln am Samstag, die die breite Empörung über sexualisierte Gewalt zeigte.
Die Schauspielerin Collien Fernandes hatte kürzlich ihren Ex-Mann, den Schauspieler Christian Ulmen, beschuldigt, gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und pornografische Inhalte verbreitet zu haben. Ihr Fall löste öffentliche Empörung aus und fiel zusammen mit einer Spiegel-Untersuchung zu digitaler Gewalt. Als Reaktion kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) Anfang 2026 einen Entwurf für ein Gesetz zum Schutz vor digitaler Gewalt an, der derzeit von der Regierung geprüft wird. Die CDU/CSU brachte ein Gesetz gegen "virtuelle Vergewaltigung" ein, während die Grünen härtere Strafen forderten – bis zu drei Jahren Haft für die unbefugte Bearbeitung oder Verbreitung sexualisierter Bilder. Am 27. März 2026 verlangte der Bundesrat spezifische Straftatbestände für schädliche Deepfakes.
Auf der Kundgebung riefen alle Redner Männer dazu auf, sich gegen frauenfeindliches Verhalten zu stellen. Tim Achtermeyer, Co-Vorsitzender der Grünen in Nordrhein-Westfalen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, dass er strengere Schutzmaßnahmen nicht unterstütze. Unterdessen forderte die Frauen-Union der CDU bessere Sicherheitsvorkehrungen, stieß aber beim Publikum auf verhaltene Resonanz.
Die Proteste in Bonn und Köln setzen die Politik unter Druck, gegen digitale und sexualisierte Gewalt vorzugehen. Da mehrere Parteien neue Gesetzesinitiativen vorlegen, bleibt das Thema im Zentrum der öffentlichen Debatte. Aktivistinnen und Aktivisten kämpfen weiter für konkrete rechtliche Änderungen zum Schutz der Opfer.






