Mainz zwischen Kältewelle, Mordaufklärung und neuem Bronzedenkmal
Eine eisige Kältewelle hat Europa fest im Griff und in den letzten Tagen etwa 20 Menschen das Leben gekostet. Währenddessen erlebt Mainz sowohl Entbehrungen als auch neue Entwicklungen – von der Aufklärung eines historischen Mordfalls bis zur Enthüllung einer beeindruckenden Bronzeskulptur am Bildungsministerium.
Die frostigen Temperaturen haben extreme Bedingungen mit sich gebracht: Am Flughafen Frankfurt wurden in der Nacht vom 28. auf den 29. Januar minus 22 Grad Celsius gemessen. Krankenhäuser, darunter das Universitätsklinikum Mainz, stehen wegen steigender Patientenzahlen und Personalmangels unter enormem Druck. Assistenzärzte leisten unbezahlte Überstunden, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.
In der Stadt selbst thront seit Januar am Eingang des Bildungsministeriums in der Mittleren Bleiche eine bronzene Brunnenplastik namens Glockenbaum. Das sieben Meter hohe und drei Tonnen schwere Kunstwerk zeigt 14 Nachbildungen berühmter Glocken aus aller Welt – jede davon mit 68 kleineren Glocken versehen. Die Gesamtkosten für das Werk beliefen sich auf 160.000 D-Mark.
Unterdessen treibt Mainz große Projekte voran: In Bretzenheim-Süd wurde der Bau eines 11 Hektar großen Einkaufszentrums mit einem SB-Warenhaus und einem Baumarkt genehmigt. Die seit 1972 laufende Altstadtsanierung geht weiter – im aktuellen Haushaltsplan sind über 13 Millionen D-Mark dafür vorgesehen. Die Fertigstellung ist für 1983 oder 1984 geplant.
Der Zweijahreshaushalt der Stadt für 1976–77 beträgt 916 Millionen D-Mark, wovon täglich fast eine Million für kommunale Leistungen ausgegeben wird. Über ein Fünftel des Budgets fließt in die Sozialhilfe. Diese Finanzplanung fällt in eine Zeit, in der die Universität Mainz im Wintersemester 1975/76 trotz strenger Numerus-clausus-Regelungen erstmals über 19.000 Studierende verzeichnete.
Ein lang ersehnter Abschluss fand sich in einem tragischen Kapitel der Stadtgeschichte: Ein 47-jähriger jugoslawischer Tagelöhner, der im April 1969 in Mainz zu Tode geprügelt worden war, erhielt posthum Gerechtigkeit – der Täter wurde sechs Jahre nach der Tat festgenommen.
Die Kältewelle hat ihre Spuren hinterlassen, doch Mainz balanciert zwischen Bewältigung der Herausforderungen und neuen kulturellen sowie wirtschaftlichen Vorhaben. Der Glockenbaum markiert nun den Eingang des Bildungsministeriums, und der Haushalt unterstreicht das Engagement für Soziales und Stadtentwicklung. Gleichzeitig bringt die Festnahme im Mordfall von 1969 einen jahrzehntealten Fall zu einem versöhnlichen Ende.






