Lale Tollkiens harte Kindheit in Berlins radikaler Linksszene der 80er
Alex FlantzLale Tollkiens harte Kindheit in Berlins radikaler Linksszene der 80er
Lilli Tollkien, besser bekannt als Lale, wuchs in den chaotischen Männer-WGs Berlins der 1980er-Jahre auf. Ihre Kindheit war geprägt von Vernachlässigung, Sucht und Instabilität – Erfahrungen, die sie später in einem Debütroman verarbeitete, der ihr turbulentes Leben in der radikalen Linksszene der Stadt schildert.
Lales frühe Jahre waren von Krisen bestimmt. Mit nur eineinhalb Jahren wurde sie in staatliche Obhut genommen, nachdem sie Rohypnol-Tabletten verschluckt hatte, während ihre heroinabhängige Mutter zu berauscht war, um es zu bemerken. Ihr Vater, ein Kleinkrimineller mit Verbindungen zur radikalen APO-Bewegung, saß zu dieser Zeit im Gefängnis.
Das Leben in der Wohngemeinschaft hatte wenig mit den revolutionären Idealen zu tun, die ihre Mitglieder predigten. Starker Alkoholkonsum, Drogenmissbrauch und endlose Partys bestimmten den Alltag. Frauen kamen und gingen, doch Lale blieb – ausgesetzt ständiger Gefahr, giftigen Substanzen und sexuellem Missbrauch. Irgendwann zog ihr Vater in die WG ein, doch auch er nahm ihr Leid nicht wahr.
Die Schule wurde zu Lales einzigem Rückzugsort – ein Ort, an dem sie sich entfalten konnte, bis die Pubertät begann. Danach stürzte ihr Leben in Sucht und labile Freundschaften ab. Jahrzehnte später fand sie Halt, indem sie ihre Vergangenheit aufschrieb. Ihr autofiktionaler Roman "Mit beiden Händen den Himmel stützen" hält die schonungslose Realität des Aufwachsens in Berlins autonomer Szene der 80er- und 90er-Jahre fest.
Lales Geschichte ist eine vom Überleben zur Selbstfindung durch Literatur. Ihr Roman dokumentiert eine Kindheit zwischen Vernachlässigung und radikaler Politik. Heute steht ihr Schreiben als Zeugnis von Widerstandsfähigkeit angesichts extremer Härten.






