CDU und AfD in Biebesheim: Skandal um gemeinsamen Bürgermeister wächst
Nadeschda PärtzeltCDU und AfD in Biebesheim: Skandal um gemeinsamen Bürgermeister wächst
In Biebesheim am Rhein ist ein politischer Streit entbrannt, nachdem Mitglieder von CDU und AfD gemeinsam einen stellvertretenden Bürgermeister gewählt haben. Der Schritt hat Parteiausschlussverfahren gegen die beteiligten CDU-Stadträte ausgelöst. Die Landesführung der Partei verurteilte die Zusammenarbeit scharf und bezeichnete sie als Verstoß gegen die Parteilinie.
Die gemeinsame Liste, durch die ein AfD-Kandidat einen Sitz im Gemeindevorstand erhielt, wurde als direkte Herausforderung für die bestehende Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern gewertet. Der Konflikt begann, als CDU und AfD eine gemeinsame Kandidatenliste für die Positionen der stellvertretenden Bürgermeister einreichten. Dies geschah, nachdem ihr erster Vorschlag abgelehnt worden war, woraufhin eine überarbeitete Vereinbarung zustande kam, die den AfD-Politiker Bernd Kahnert in den Vorstand brachte. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte offen dafür geworben, dass seine Partei eine stellvertretende Bürgermeisterposition erhält – obwohl die CDU nur acht der 31 Sitze im Stadtrat hält.
Der CDU-Kreisverband Groß-Gerau reagierte umgehend und leitete Parteiausschlussverfahren gegen die beteiligten Mitglieder ein. Generalsekretär Leopold Born unterstützte diesen Schritt und forderte "sofortiges und entschlossenes" Handeln. Der Kreisvorsitzende Stefan Sauer unterstrich diese Haltung und betonte, die Entscheidung sei endgültig; weitere Maßnahmen könnten folgen.
Die CDU bezeichnete die gemeinsame Abstimmung als "spontan und unabgestimmt" und verwies auf ihre langjährige Regel, nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten. Eine aktuelle Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass in 19 Prozent der Kommunalabstimmungen zwischen 2019 und 2024 andere Parteien direkt mit der AfD kooperierten. Die Forschung zeigte zudem, dass vor allem fraktionslose Stadträte und kleinere Parteien zu solchen Bündnissen neigen.
SPD, Grüne und Freie Wähler, die gemeinsam 17 Sitze halten, hatten zuvor eine eigene gemeinsame Kandidatenliste vorgelegt. Die CDU-AfD-Zusammenarbeit wurde als direkte Gegenposition zu ihrem Vorschlag gewertet und vertiefte die Gräben im Stadtrat. Die Parteiausschlussverfahren der CDU signalisieren eine klare Haltung gegen die Zusammenarbeit mit der AfD auf kommunaler Ebene. Die Wahl eines AfD-Kandidaten in den Gemeindevorstand hat die politischen Spannungen in Biebesheim am Rhein weiter verschärft. Weitere disziplinarische Maßnahmen gegen die beteiligten CDU-Mitglieder bleiben möglich.






