Berlin erzwingt mehr Ausbildungsplätze – oder Unternehmen zahlen Strafe ab 2028
Adem SeidelBerlin erzwingt mehr Ausbildungsplätze – oder Unternehmen zahlen Strafe ab 2028
Berlin führt umstrittene neue Regel ein: Unternehmen sollen mehr Ausbildungsplätze anbieten
Berlin hat eine kontroverse Neuregelung beschlossen, mit der Unternehmen dazu gedrängt werden sollen, mehr Ausbildungsplätze bereitzustellen. Ab 2028 müssen Betriebe mit mindestens zehn Beschäftigten einen festgelegten Anteil junger Fachkräfte ausbilden – oder eine Abgabe zahlen. Die Maßnahme zielt darauf ab, die niedrigen Ausbildungsquoten in der Hauptstadt zu erhöhen, stößt jedoch bei lokalen Unternehmen auf scharfe Kritik.
Das Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete die sogenannte Ausbildungsabgabe, nachdem die Zahl der Ausbildungsverhältnisse jahrelang stagniert hatte. 2023 lag die Ausbildungsquote der Stadt bei nur 3,1 Prozent – deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Trotz verschiedener Bemühungen schafften die Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr lediglich 1.300 zusätzliche Ausbildungsplätze.
Wie die neue Regelung funktioniert Nach dem neuen Gesetz müssen Firmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden sicherstellen, dass mindestens 4,6 Prozent ihrer Belegschaft aus Auszubildenden bestehen. Wer die Vorgabe nicht erfüllt, zahlt in einen zentralen Fonds ein, aus dem jährlich voraussichtlich rund 75 Millionen Euro für Ausbildungsprogramme in der Stadt generiert werden sollen.
Kritik aus der Wirtschaft Viele Unternehmer reagieren ablehnend auf die Pläne. Marius Meiners von Peec AI bezeichnete die Regelung als unrealistisch und erklärte, sein Team habe schlicht nicht die Kapazitäten, um Auszubildende zu betreuen. Er gab offen zu, lieber die Strafe zu zahlen, als Trainees einzustellen. Ralph Hage, Gründer von Lap Coffee, nannte die Abgabe ein "falsches Signal" der Politik und argumentierte, sein Unternehmen setze auf Automatisierung und modernes Lernen statt auf klassische Berufsausbildungen.
Agnieszka Walorska von der Fintech-Firma Mika verwies auf ein anderes Problem: das sinkende Interesse junger Menschen an einer dualen Ausbildung. Moritz Kreppel, Gründer von Urban Sports Club, ergänzte, dass Start-ups wie seines oft keine Ausbildungsplätze für Tätigkeiten bräuchten, die nicht zu ihrem Geschäftsmodell passten. Die Abgabe bestrafe Unternehmen seiner Ansicht nach ungerechtfertigt für strukturelle Unterschiede – und nicht für mangelnde Ausbildungsbereitschaft.
Umsetzung ab 2028 – mit Übergangszeit Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und gibt Betrieben Zeit, ihre Personalplanung anzupassen oder sich auf zusätzliche Kosten vorzubereiten. Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten bleiben ausgenommen, doch größere Firmen müssen sich nun entscheiden: mehr ausbilden oder finanziell beitragen. Ob die Maßnahme tatsächlich Chancen schafft oder lediglich eine weitere Belastung für Berlins Wirtschaft darstellt, wird sich zeigen.






