Antifeministische Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte nehmen dramatisch zu
Adem SeidelAntifeministische Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte nehmen dramatisch zu
Antifeminismus breitet sich in Deutschland als organisierte politische Kraft aus
Die Bewegung richtet sich gezielt gegen Frauen- und queere Rechte, wobei Angriffe auf Gleichstellungsbeauftragte und öffentliche Symbole der Geschlechtergerechtigkeit stark zugenommen haben. Allein 2024 wurden über 550 Vorfälle dokumentiert – im Schnitt zehn pro Woche.
Gleichstellungsbeauftragte sehen sich in ihrer Arbeit zunehmend feindseligen Attacken ausgesetzt. Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 63 Prozent bereits antifeministische Angriffe erlebt haben, während 40 Prozent in den letzten zwei Jahren mehrfach betroffen waren. Eine Beauftragte aus Baden-Württemberg berichtete, dass nach einem öffentlichen Statement zu einem brisanten Thema Rechtsextreme vor ihrer Haustür aufgetaucht seien.
Die Bedrohungen beschränken sich jedoch nicht auf persönliche Einschüchterung. Viele Beauftragte haben mit Vandalismus, Kürzungen ihrer Budgets und offener Ablehnung durch Gegner zu kämpfen. Einige sehen ihre Arbeit zudem durch mangelnde institutionelle Unterstützung untergraben.
Beim Kongress der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) in Lübeck trafen sich rund 70 Gleichstellungsbeauftragte unter dem Motto „Kurs halten in antifeministischen Gewässern“. Sie tauschten Widerstandsstrategien aus und betonten die Notwendigkeit starker Netzwerke. Besonders wichtig seien kollegiale Solidarität und Selbstfürsorge, um den wachsenden Druck im Berufsalltag standzuhalten.
Auch öffentliche Symbole der Gleichstellung geraten ins Visier. Im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ gegen geschlechtsspezifische Gewalt wurden in vielen Städten orangefarbene Bänke aufgestellt. Doch die Meldungen über Vandalismus an diesen Bänken häufen sich – zuletzt gab es Schäden in Osnabrück, Wiesbaden und Annweiler.
Der Anstieg antifeministischer Vorfälle spiegelt eine breitere Gegenbewegung gegen Gleichstellungspolitik wider. Trotz der eskalierenden Angriffe setzen Gleichstellungsbeauftragte ihre Arbeit fort und stützen sich dabei auf Solidarität und strukturierte Unterstützung. Die Zerstörung von Kampagnensymbolen unterstreicht die Herausforderungen, vor denen Befürworter:innen von Frauen- und queeren Rechten stehen.






