Wie Hindenburgs Flaggenverordnung 1926 die Weimarer Republik spaltete
Deutschlands zermürbender Flaggenstreit nahm im Mai 1926 eine weitere Wendung, als Reichspräsident Paul von Hindenburg die zweite Flaggenverordnung erließ. Das Dekret sollte die Spannungen entschärfen, indem es Regeln für diplomatische Vertretungen festlegte – doch es vertiefte stattdessen die politischen Gräben. Seit Jahren war die Nation gespalten zwischen den Befürwortern der schwarz-rot-goldenen Trikolore und den Anhängern der alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot.
Der Konflikt um die nationalen Symbole schwelte bereits seit Gründung der Weimarer Republik. Bis zur Reichspräsidentenwahl 1925 hatten sich zwei Lager formiert: der „Schwarz-Rot-Gold-Volksblock“ und der „Schwarz-Weiß-Rot-Reichsblock“. Hindenburgs Wahlsieg im selben Jahr bestärkte die Konservativen in ihrem Drängen nach der Wiedereinführung ihrer bevorzugten Flagge.
Edwin Redslob, der Reichskunstwart, war mit der Lösung des Streits beauftragt worden. Trotz unzähliger Entwürfe und eigener Vorschläge gelang es ihm nicht, eine einheitliche „Reichsflagge“ zu schaffen. Seine Aufgabe sollte die Fragen der nationalen Symbolik klären – doch der Konflikt verhärtete sich nur weiter.
Am 5. Mai 1926 unterzeichnete Hindenburg die zweite Flaggenverordnung. Sie schrieb vor, dass deutsche Botschaften und Konsulate außerhalb Europas sowohl die schwarz-rot-goldene Nationalflagge als auch die schwarz-weiß-rote Handelsflagge hissen mussten. Der Kompromiss sollte die Rechte besänftigen, ohne die republikanischen Farben vollständig abzulehnen. Doch er erfüllte nicht die Forderungen der Konservativen und setzte Kanzler Hans Luther politisch unter Druck.
Hindenburg versuchte später in einem offenen Brief, die Gemüter zu beruhigen. Er warb für einen verfassungskonformen Ausgleich, in der Hoffnung, die verfeindeten Lager zu versöhnen. Doch der Brief milderte die Spannungen kaum. Jeder Vermittlungsversuch scheiterte, und der Streit zog sich bis 1933 hin.
Die zweite Flaggenverordnung beendete den Konflikt nicht – im Gegenteil: Sie zementierte die Spaltung zwischen Links, Mitte und Rechts. Der Kompromiss des Dekrets überzeugte keine Seite, und so blieb die Flaggenfrage jahrelang ungelöst.






