Warum ich den Hamburger Dom nur noch vom Balkon aus erlebe
26 Jahre lang war der Hamburger Dom auf dem Heiligengeistfeld von meinem Balkon aus ein vertrautes Bild. Dreimal im Jahr verwandelt die Kirmes mit ihren hoch aufragenden Fahrgeschäften und grellen Lichtern das Gelände in eine pulsierende Attraktion – doch trotz der Nähe hatte ich mich stets dagegen gesträubt, auch nur eines der Karussells oder Fahrgeschäfte auszuprobieren. Bis mich zwei Freunde eines Besseren belehrten.
Die Idee stammte nicht von mir. Zwei Freunde, darunter ein eingefleischter Fan des Hamburger Doms, überredeten mich, eine "Aussichtsgondel" auszuprobieren, die sich 70 Meter in die Höhe erhebt. Meine Bedingung: Wer mich nach oben begleitete, musste auch für die Fahrt zurück mitfahren.
Die Gondel selbst war überraschend stabil. Sie schwankte kaum, und es gab genug Haltegriffe, an denen man sich festhalten konnte. Dennoch wurde meine Nervosität auf die Probe gestellt. Von meinem Balkon aus hatte ich oft zugesehen, wie Menschen in den extremeren Attraktionen des Doms herumgewirbelt, geschleudert und durch die Luft katapultiert wurden. Im Laufe der Jahre waren diese Fahrgeschäfte nur noch wilder geworden, schienen die Grenzen des Möglichen immer weiter auszureizen.
Nach der Landung stand mein Urteil fest: "Einmal reicht – nie wieder!" Selbst der Gedanke, an einem Losstand einen riesigen Plüschtierpreis zu gewinnen, kam mir plötzlich zu riskant vor. Der Nervenkitzel des Doms, so schien es, ließ sich am besten aus sicherer Distanz genießen.
Die Erfahrung bestätigte mir eines: Mein Platz beim Hamburger Dom bleibt fest auf dem Boden – oder zumindest auf meinem Balkon. Die Fahrgeschäfte werden zwar immer spektakulärer, doch für mich ist das Zuschauen von Weitem Aufregung genug. Die Aussichtsgondel war ein einmaliges Abenteuer – und wird es auch bleiben.






