Humboldt Forum: Berlins prunkvoller Kulturpalast zwischen Faszination und Kolonialkritik
Adem SeidelHumboldt Forum: Berlins prunkvoller Kulturpalast zwischen Faszination und Kolonialkritik
Das Humboldt Forum in Berlin bleibt ein Ort der Debatten und des regen Treibens. Seine monumentale Architektur und das kulturelle Programm locken Besucher an, doch die kolonialen Verstrickungen und die unglückliche städtebauliche Einbindung sorgen für Kritik. Veranstaltungen und Ausstellungen ziehen weiterhin Aufmerksamkeit auf sich, auch wenn der Komplex oft wie eine fremde Welt inmitten der Stadt wirkt.
Finanziert wurde das Forum von vermögenden, konservativen Spendern, die preußische Pracht im östlichen Herzen Berlins wiederaufleben lassen wollten. Heute beherbergt das imposante Gebäude das Ethnologische Museum und das Museum für Asiatische Kunst – und entfacht damit erneut Diskussionen über geraubte Kulturgüter und koloniale Gewalt. Kritiker bemängeln, der Bau sei zu sehr mit der kolonialen Vergangenheit verbunden, zu palastartig und zu wenig mit dem Charakter der Stadt verwoben.
Sein kulturelles Programm steht dem eines großen Theaters in nichts nach, wird aber oft von Rolltreppen und Betonfluren überlagert. Thematisiert werden brennende Fragen, etwa die Geschichte eines Flusses im Süden Brasiliens, der unter einem Einkaufszentrum verschwand und später als Denkmal wieder auftauchte. Sarah Ama Duahs Performance „to build to bury to remember“ hinterfragt koloniale Perspektiven, indem sie Objekte als lebendige, autonome Wesen inszeniert.
Trotz des anspruchsvollen Angebots besteht das Publikum vor allem aus Touristen. Manche Besucher bleiben nur für ein schnelles Selfie im Innenhof stehen. Zudem fehlen in der Umgebung Rückzugsorte, sodass Besucher bei eisiger Kälte im Winter oder glühender Hitze im Sommer dem Wetter schutzlos ausgesetzt sind.
Doch das Humboldt Forum bleibt ein Veranstaltungsort, auf den viele gespannt sind und der besucht wird. Die Programme setzen sich mit zentralen Themen auseinander – doch seine architektonische und historische Einbettung sorgt weiterhin für Kontroversen. Die Menschen kommen dennoch, angezogen von der schieren Größe und dem Versprechen kultureller Teilhabe.
