07 May 2026, 22:25

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Diagramm auf Papier, das miteinander verbundene Kreise zeigt, die die Ursachen des Ersten Weltkriegs darstellen, verbunden durch Pfeile, mit begleitendem Text, der Daten, Zeiten und Orte angibt.

Historiker Möller warnt vor voreiligen Geschichtsvergleichen in der Politik

Historiker Horst Möller positioniert sich zu historischen Vergleichen in aktuellen politischen Debatten

Der Historiker Horst Möller hat sich zu der häufigen Verwendung historischer Vergleiche in modernen politischen Diskussionen geäußert. Seine Stellungnahme erfolgt zu einer Zeit, in der Medien und öffentliche Persönlichkeiten immer wieder Parallelen zwischen aktuellen Ereignissen und dunklen Kapiteln der Vergangenheit ziehen.

Möller warnt davor, Geschichte durch die isolierte Betrachtung einzelner Momente ohne vollständigen Kontext zu vereinfachen. Aktuelle Beispiele für provokante historische Anspielungen sind etwa das Titelbild des Stern, das Donald Trump mit Hitlergruß unter der Schlagzeile „Sein Kampf“ zeigt – eine deutliche Anlehnung an Hitlers „Mein Kampf". Auch der Spiegel griff zu drastischen Bildern, etwa als Trump als Komet dargestellt wurde, der auf die Erde zurast, oder mit der abgetrennten Freiheitsstatue in der Hand. Solche Vergleiche beschränken sich nicht auf die Medien: Kritiker der Corona-Maßnahmen wurden mit Sophie Scholl gleichgesetzt, die Bundesregierung mit dem SED-Regime verglichen.

Möller betont, dass solche Vergleiche oft voreilig gezogen würden. Historiker sollten Ereignisse seiner Meinung nach idealerweise erst bewerten, wenn deren langfristige Folgen absehbar seien. Durch die Fokussierung auf einzelne Details gehe die gesamte Komplexität historischer Entwicklungen verloren, warnt er.

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Beim Vergleich der Weimarer Republik mit der heutigen Bundesrepublik räumt Möller ein, dass beide Krisen durchlebten – allerdings in völlig unterschiedlichen Dimensionen. Die Idee eines „deutschen Sonderwegs“ in die Diktatur weist er zurück und verweist darauf, dass auch andere Demokratien unter Druck zusammengebrochen seien. Zwar sieht er gewisse Parallelen zwischen den beiden Epochen, doch betont er, wie wichtig es sei, gesamte historische Prozesse zu betrachten, statt gezielt Ähnlichkeiten herauszugreifen.

Zur AfD äußert sich Möller zurückhaltend: Aus historischer Perspektive vermeidet er es, die Partei pauschal als „faschistisch“ zu bezeichnen. Solche Begriffe müssten seiner Ansicht nach sorgfältig und erst nach gründlicher Analyse verwendet werden.

Möllers Aussagen unterstreichen die Risiken überstürzter historischer Vergleiche. Er plädiert für einen besonneneren Umgang, der Ereignisse in ihrem vollen Kontext betrachtet – statt sich auf einzelne Symbole oder Momente zu beschränken. Seine Position erinnert daran, dass Geschichte komplex ist – und Vergleiche dieser Komplexität gerecht werden müssen.

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