EZB legt Notfallplan für Energieschocks durch Iran-Konflikt vor
Nadeschda PärtzeltEZB legt Notfallplan für Energieschocks durch Iran-Konflikt vor
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat einen dreistufigen Plan vorgelegt, um mögliche Energieschocks im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt zu bewältigen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde stellte die Strategie vor, während die Ölpreise weiterhin volatil bleiben – jüngste Rückgänge haben jedoch etwas wirtschaftlichen Druck gemildert.
Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte in seinen aktuellen Prognosen vor steigenden Preisen und einer verlangsamten globalen Wachstumsdynamik, was die Dringlichkeit der EZB-Vorbereitungen unterstreicht.
Lagardes Strategie beginnt mit einer abwartenden Haltung bei kurzfristigen Energieschocks. Die EZB würde zunächst auf eine sofortige Reaktion verzichten, da verzögerte Maßnahmen unwirksam oder sogar schädlich sein könnten.
Steigt die Inflation deutlich, aber nur vorübergehend an, sieht der zweite Schritt eine dosierte Anpassung vor. Dies käme nur zum Tragen, wenn die Abweichung nach oben erheblich, aber nicht von Dauer ist – so soll Stabilität ohne Überreaktion gewährleistet werden.
Die dritte und schärfste Maßnahme greift, wenn die Inflation dauerhaft vom Zielwert abweicht. In diesem Fall würde die EZB entschlossen und nachhaltig gegensteuern, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen.
Aktuelle Daten zeigen, dass die Ölpreise seit März 2026 um 15 Prozent gefallen sind – von 75 auf 64 US-Dollar pro Barrel bis Ende März. Dieser Rückgang liegt unter dem Basisszenario der EZB (70 Dollar) und nähert sich ihrer optimistischen Prognose von 60 Dollar an. Folglich hat die EZB ihre Wirtschaftsprognose für die Eurozone nach oben korrigiert: Das BIP-Wachstum soll bis Ende 2026 bei 1,4 Prozent liegen (bisher 1,2 Prozent), die Inflation bei 1,9 Prozent (zuvor 2,1 Prozent).
Doch das Risikoszenario der EZB bleibt bestehen. Danach könnte die Gesamtinflation kurzfristig auf 4 Prozent hochschnellen, bevor sie schnell wieder sinkt – mit nur geringen Auswirkungen auf die Kerninflation. In einem schwerwiegenderen Szenario bliebe die Inflation länger über dem Zielwert, was die Kernpreise über einen längeren Zeitraum nach oben treiben würde.
Die Risiken für die Ölversorgungsketten haben seit Ende 2023 zugenommen, als Angriffe der Huthi-Rebellen auf israelnahe Schifffahrt den Verkehr durch den Suezkanal behinderten. Rund die Hälfte des üblichen Aufkommens wurde umgeleitet, und die Erholung ist noch nicht abgeschlossen. Nun gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Straße von Hormus, einer kritischen Engstelle für den globalen Ölexport.
Die EZB-Prognosen gehen in ihrem Basis- und Risikoszenario von unveränderten Leitzinsen aus. Nur im Extremfall wäre eine starke geldpolitische Reaktion nötig, um die Preise zu stabilisieren.
Die überarbeitete Einschätzung der EZB spiegelt die verbesserten Rahmenbedingungen durch die gesunkenen Ölpreise wider, doch die geopolitischen Spannungen bleiben ein Risikofaktor. Der dreistufige Plan soll Stabilität und Flexibilität in Abhängigkeit von der Entwicklung der Energieschocks gewährleisten.
Aktuell haben sich die Wachstums- und Inflationsaussichten für die Eurozone leicht verbessert. Dennoch bleibt die Gefahr anhaltender Versorgungsstörungen und höherer Preise eine zentrale Sorge für die Entscheidungsträger.






