EMAF zeigt umstrittenen Film palästinensischer Künstlerin trotz politischer Kritik
Brit PutzEMAF zeigt umstrittenen Film palästinensischer Künstlerin trotz politischer Kritik
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat mit der Aufnahme eines Kurzfilms der palästinensischen Künstlerin Samah Al-Sharif eine Debatte ausgelöst. Ihr Werk "Morning Circle" wird im Rahmen des diesjährigen Programms gezeigt. Die Entscheidung stieß auf Kritik lokaler Politiker, doch die Förderung des Festivals bleibt unangetastet.
Im Mittelpunkt der Kontroverse stehen nicht der Film selbst, sondern Al-Sharifs politische Positionen. Ihr werden antisemitische Äußerungen sowie die Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) vorgeworfen. Kritiker verweisen auf ihre Aktivitäten in sozialen Medien, darunter ein Halloween-Foto mit einem roten Dreieck, das von manchen als provokativ interpretiert wird.
Osnabrücks Kulturdezernent Wolfgang Beckermann gab offen zu, er hätte es vorgezogen, das Festival würde auf ihren Beitrag verzichten. Auch der Oberbürgermeister der Stadt und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies distanzierten sich von der Veranstaltung. Dennoch betonte die Landesregierung, sie respektiere die programmatischen Entscheidungen des Festivals, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab.
Das diesjährige Motto des EMAF, "Eine unvollständige Versammlung", setzt sich mit den Widersprüchen künstlerischer Freiheit auseinander. Die Veranstalter unterstreichen ihr Bekenntnis zu vielfältigen Perspektiven und arbeiten mit palästinensischen, jüdischen und israelischen Künstlern zusammen. Die Entscheidung, Al-Sharifs Film zu zeigen, steht in dieser Tradition – trotz der anhaltenden politischen Spannungen.
Die BDS-Bewegung, 2005 gegründet, hat international als gewaltfreie Kampagne für palästinensische Rechte an Einfluss gewonnen. In Deutschland stößt sie jedoch auf scharfe Ablehnung und wird weithin als antisemitisch verurteilt. Trotz rechtlicher und politischer Hürden verzeichnet die Bewegung symbolische Erfolge, etwa die Unterstützung durch einen deutschen Studierendenschaftsrat im Jahr 2023.
Die Vorstellung von Al-Sharifs Film findet wie geplant statt, ohne Kürzungen der Festivalförderung. Zwar äußerten lokale und regionale Verantwortliche ihre Vorbehalte, doch das EMAF hält an seiner Haltung zur künstlerischen Unabhängigkeit fest. Die Diskussion zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen freier Meinungsäußerung und politischer Verantwortung im Kulturbetrieb auf.






