"Spiegel": Weimer lässt Listen von Kulturjurymitgliedern erstellen - Buchhandlungspreis: Minister greift ein – und löst Kulturstreit aus
Bundeskulturminister Wolfram Weimer hat mit der Streichung von drei Buchhandlungen von der Shortlist des Deutschen Buchhandlungspreises für Aufsehen gesorgt. Die Entscheidung traf er nach der eigentlichen Auswahl durch die Jury und berief sich dabei auf Erkenntnisse der Verfassungsschutzbehörden. Der Schritt löste rechtliche Schritte aus und nährt Befürchtungen politischer Einflussnahme auf die Kulturförderung.
Der Streit entzündete sich, als Weimer in den Auswahlprozess für den Deutschen Buchhandlungspreis 2026 eingriff. Ursprünglich sollten 118 unabhängige Jurymitglieder die Finalisten bestimmen. Doch der Minister ordnete die Erstellung separater Listen mit allen Juryteilnehmern an – ein Schritt, der Sorgen vor weiterer Einmischung schürte.
Weimers Behörde behauptete zunächst, die Jury selbst habe die drei Buchhandlungen für unwürdig befunden. Diese Aussage stellte sich später als falsch heraus. Die betroffenen Buchhandlungen, die nun rechtlich gegen die Entscheidung vorgehen, werfen dem Minister vor, seine Befugnisse überschritten zu haben, indem er den Juryentscheid ignorierte.
Kritiker warnen, dass Weimers Forderung nach den Jurylisten einen gefährlichen Präzedenzfall für weitere Eingriffe in die Kulturförderung schaffen könnte. Der Fall hat die Debatte über Transparenz und politischen Einfluss im deutschen Kulturbereich weiter angeheizt.
Die drei ausgeschlossenen Buchhandlungen haben Klage gegen Weimers Entscheidung eingereicht. Sein Vorgehen hat zudem eine breitere Prüfung der Vergabepraxis bei Kulturpreisen ausgelöst. Das Ergebnis des Rechtsstreits könnte darüber entscheiden, ob ähnliche Fälle in künftigen Förderverfahren Schule machen.






